Es ist vollbracht: Wir haben den Jahreswechsel geschafft. Mal wieder machen wir uns auf, gute Vorsätze wie „abzunehmen“, „mehr Sport zu treiben“, oder „öfter zur Ruhe zu kommen“ umzusetzen. Leider häufig vergeblich. Denn trotz bester Absichten können anvisierte Ziele häufig nicht dauerhaft in die Tat umgesetzt werden. Wodurch sich alte, ungeliebte Gewohnheiten nach einer Phase des Bemühens wieder durch setzen können.

Was können Sie also tun, damit es ihnen in diesem Jahr leichter fällt, ihre Vorhaben wirklich in die Tat umzusetzen? Wie sollten Sie mit Ihren Zielen umgehen, damit sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, sie auch wirklich zu erreichen?

Beschwerliche Wege brauchen das Unterbewusstsein

Nehmen wir das Beispiel, Sie setzten sich wie in den Jahren zuvor das Ziel, endlich die ungeliebten 5 Kilo abzunehmen. Hierfür sollten Sie gezielter essen sowie mehr Sport treiben. Wie geht es Ihnen bei dieser Zukunftsvison? Wenn Sie es als großen Genuss empfinden, zu Essen, und gleichzeitig eher wenig Freude an Bewegung haben, dann stehen Sie vor einer Herausforderung, die Ihre Willenskräfte sehr wahrscheinlich überfordern wird. Ausgehend von der aktuellen Motivforschung sind Essen und Bewegung nämlich tatsächlich Grundmotive, die bei jedem von uns in unterschiedlicher Stärke unbewusst verankert sind. Ihr Bewusstsein findet dann das Ziel, 5 Kilo abzunehmen, zwar sehr attraktiv. Ihre deutlich stärkeren, unbewussten Anteile sind aber so gar nicht damit einverstanden, diesen beschwerlichen Weg nun gehen zu müssen.

Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach

Sie kennen sicher den Satz: „Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach“. Wer anspruchsvolle Ziele erreichen will sollte sich also vor allem darum kümmern, sein „Fleisch“ zu stärken. Wie kann das gehen?

Selbsternannte Mentalexperten pflegen in solchen Situationen zu sagen: „Du musst nur wollen!“ Neurowissenschaftler und moderne Motivationspsychologen haben aber längs belegt, dass dieser Satz gehirntechnischer Unsinn ist. Ein Scheitern ist geradezu vorprogrammiert, wenn ein Ziel einzig und alleine durch Willenkraft getragen wird und sich gleichzeitig alle weiteren psychischen Instanzen quer legen.

Das Züricher Ressourcen Modell

Ein modernes und konsequent auf neurowissenschaflichen wie psychologischen Erkenntnissen aufgebautes Konzept bietet das Züricher Ressourcen Modell (ZRM) von Maja Storch und Frank Krause. Kern dieses Konzeptes ist eine Zielarbeit über drei Stufen: die Ergebnisebene, die Haltungsebene und die Verhaltensebene. Auf der Ergebnisebene wird ein messbares, realistisches und terminierte Ziel formuliert. Steht dieses Ziel, folgt für die Haltungsebene ein Prozess, in dem das Unbewusste über Bilder und dazugehörige Assoziationen konsequenten und strukturierten angetriggert wird. Dabei werden innere, unbewusste Ressourcen aktiviert und sprachlich in so genannte Motto-Ziele überführt. Diese Motto-Ziele werden in einer bildhaften, metaphorischen Sprache formuliert. Sie bewirken starke positiven Affekte und befeuern damit eine durch Lust und Freude charakterisierten Haltung zu Ziel UND Weg. Erst wenn die Haltung zum Ziel stimmt ist gewährleistet, dass das bewusste Vorhaben auch durch die mächtigen unbewussten Anteile der Psyche getragen wird. Ist diese Voraussetzung gegeben, dann werden auf der Verhaltensebene dann noch konkrete Handlungsschritte geplant und Teilziele festgelegt.

Ich bin mir bewusst, dass diese Art der Zielarbeit auf den ersten Blick eher fremd klingt. Das Züricher Ressourcen Modell hat seine Wirksamkeit jedoch durch zahlreiche Untersuchungen längst bestätigen können und ist in seiner Überlegenheit gegenüber Methoden mit rein rational geprägten Vorgehensweisen zur Arbeit mit Zielen wissenschaftlich abgesichert.

Setzen Sie auf die 3 Zielebenen

Angelehnt an unserem Beispiel „Abnehmen“ könnten die Zielformulierungen auf den drei Zielebenen wie folgt aussehen:

  • Absicht/Ergebnisebene: Mein Ziel ist es, in drei Monaten 75 Kilo zu wiegen. (wichtig: Endzustand formulieren)
  • Motto-Ziel/Haltungsebene: Voller Energie mache ich mich auf den Weg hin zu einem locker-leichten Leben.
  • Verhaltensebene: Ich setzte alle Ernährungsjoker von Dr. Feil um und halte mich Tag für Tag an das Rezeptprogramm aus dem Kochbuch „Die Lauf-Diät“.

Für diejenigen, die sich tiefer mit der Materie der Einzelschritte des Züricher Ressourcen Modells beschäftigen möchten, empfehle ich die angegebene Literatur wärmstens.

Ihr Gernot Emberger

 

 

1 Kommentar

 

  1. 13. Februar 2013  14:01 erstellt von Angelika Heinrich Antworten

    In meiner Tübinger Praxis für Coaching und Psychotherapie arbeite ich ebenfalls viel mit dem Züricher Ressourcenmodell und kann es aus psychologischer Sicht auch nur wärmstens bei Morivations- und Veränderungsprozessen aller Art empfehlen. Denn im Streit zwischen Wille und Vorstellung siegt immer die Vorstellung. Willenskraft allein reicht nicht aus. Sie befeuert die Lustareale des limbischen Systems zu wenig. Deshalb ist das Aktivieren und Einbinden des Unbewussten über Bilder und bildhafte Sprache so ungeheuer wichtig. Ich schätze Ihre Arbeit sehr und finde es toll, dass Sie sich dabei nicht nur mit der Ergebnisebene und Verhaltensebene, sondern auch mit der Haltungsebene beschäftigen. Das finde ich psychologisch sehr intelligent und ganzheitlich und es verleiht Ihrem tollen Ernährungsprogramm sicher einen wichtigen weiteren Synergieeffekt.

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